Pressemitteilung des LEE BB – 4. November 2026

Genehmigungen auf Rekordniveau – LEE warnt vor Fadenriss durch EEG 2027 und Netzpaket

  • Genehmigungen: Brandenburg genehmigt von Januar bis Oktober 2.449 Megawatt neue Windenergieleistung, mehr als doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum.
  • Zubau: In den ersten drei Quartalen gehen in Brandenburg nur 177 Megawatt ans Netz, ein spürbarer Rückgang gegenüber 2025. Vor allem Netzengpässe bremsen aus.
  • Fadenriss droht: Der geplante Redispatch-Vorbehalt beträfe rund ein Drittel der Brandenburger Windvorranggebiete. Auf dem Spiel stehen damit auch viele qualifizierte Arbeitsplätze.
  • Speicher: Der regionale Zubau an Batteriespeichern hat sich fast verzehnfacht. Brandenburg liegt hier bundesweit auf Platz vier.

Potsdam, 02.11.2026: Brandenburg hat in den ersten zehn Monaten des Jahres so viel neue Windenergieleistung genehmigt wie nie zuvor. Doch ausgerechnet jetzt droht der Bund den Ausbau zu bremsen: EEG 2027 und Netzanschlusspaket könnten viele genehmigte Projekte unwirtschaftlich machen, bevor sie gebaut werden. Der Landesverband Erneuerbare Energien Berlin Brandenburg (LEE BB) fordert die Landesregierung auf, im Bundesrat gegenzusteuern.

Von Januar bis Oktober 2026 wurden in Brandenburg Windenergieanlagen mit insgesamt 2.449 Megawatt (MW) neu genehmigt, eine enorme Steigerung von 106 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Damit liegt das Land bundesweit auf Platz drei: Rund 14 Prozent der in diesem Jahr genehmigten Leistung entfallen auf Brandenburg, vor einem Jahr waren es noch circa 7,5 Prozent. Insgesamt wurden in Deutschland von Januar bis Oktober dieses Jahres 10 Prozent mehr Windleistung genehmigt als im selben Zeitraum 2025.

„Wie gut Brandenburg bei der Windenergie aufgestellt ist, zeigt das neue Allzeithoch bei den Genehmigungen“, sagt Jan Hinrich Glahr, Vorsitzender des LEE Berlin Brandenburg. „Doch wenn der Bund das Netzpaket wie geplant beschließt, werden viele Projekte nie gebaut. Auf dem Spiel stehen viele Arbeitsplätze entlang der regionalen Wertschöpfungskette.“

Bereits jetzt tritt der regionale Zubau auf der Stelle: In den ersten drei Quartalen 2026 gingen in Brandenburg Windenergieanlagen mit lediglich 177 MW Leistung neu ans Netz, 47 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum (332 MW). Seit Jahresbeginn wurden außerdem Altanlagen mit 55 MW Leistung stillgelegt. Netto wuchs die Windenergie-Leistung in Brandenburg damit um 122 MW.

Brandenburg droht den Anschluss zu verlieren

Besonders alarmierend: Mit dem schleppenden Zubau koppelt sich Brandenburg vom eigentlich positiven Bundestrend ab. Denn über alle Bundesländer hinweg stieg der Brutto-Zubau in den ersten drei Quartalen des laufenden Jahres um 14 Prozent auf 3.887 MW.

Dafür sieht der LEE vor allem zwei Gründe. „Erstens wird heute gebaut, was vor zwei bis drei Jahren genehmigt wurde, also die Projekte aus dem schwachen Genehmigungs-Jahrgang 2023“, erläutert Jan Hinrich Glahr. Die Wirkung der stärkeren Folgejahre zeige sich erst noch. „Zweitens fehlen an vielen Standorten in Brandenburg ausreichende Netzanschlusskapazitäten. Bei sinkenden Zuschlagswerten in den Ausschreibungen geraten gerade Projekte mit aufwändigem Netzanschluss an die Grenze der Wirtschaftlichkeit.“

EEG 2027 und Netzpaket bringen Rekord-Pipeline in Gefahr

Mit großer Sorge sieht der LEE Berlin Brandenburg daher das EEG 2027 und das geplante Netzanschlusspaket, die noch dieses Jahr beschlossen werden sollen. Insbesondere der Redispatch-Vorbehalt würde Brandenburg mit seinen Netzengpässen besonders hart treffen und könnte rund ein Drittel der Brandenburger Windvorranggebiete unwirtschaftlich machen. Das würde auch die Regionalplanungen beschädigen, deren Umsetzung politische Kontinuität braucht. Der LEE fordert die Brandenburger Landesregierung auf, sich für die Streichung des Vorbehalts einzusetzen.

„Projekte mit enormer Wirtschaftskraft sind in Brandenburg bereits genehmigt und baureif. Die Pipeline ist voll, und der Bund droht sie abzudrehen“, so Jan Hinrich Glahr. „Tritt das EEG 2027 wie geplant in Kraft, weiß niemand, welche Projekte noch wirtschaftlich sind und welche in der Schublade verschwinden. Das gefährdet Investitionen, Arbeitsplätze und Einnahmen für die Gemeinden.“

LEE: Brandenburg soll im EE-Spitzenfeld bleiben

Außerdem fordert der LEE Berlin Brandenburg, regional erzeugten Strom nicht abzuregeln, wenn er aus Kapazitätsgründen nicht ins Netz eingespeist werden kann, sondern in Batteriespeichern zu nutzen. Die Kapazitäten dafür wachsen bereits: Der Speicher-Zubau in Brandenburg ist 2026 sprunghaft auf 200,5 MW gestiegen, auch durch die Inbetriebnahme von 13 Großspeichern im Land. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum ist das fast eine Verzehnfachung. Im bundesweiten Zubau-Vergleich liegt Brandenburg damit auf Platz vier.

Rund 13,5 Prozent der bundesweiten Windenergieleistung sind in Brandenburg installiert (9.656 MW). Auch hier liegt das Land auf Platz vier hinter Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen. „Brandenburg gehört bei den Erneuerbaren seit Jahren zur Spitzengruppe der Bundesländer“, betont Jan Hinrich Glahr. „Diese Vorreiterrolle wollen wir halten. Die Landespolitik muss jetzt verhindern, dass die Bundesregierung uns enorme Hürden in den Weg stellt.“

Pressekontakt:

Landesverband Erneuerbare Energien
Berlin Brandenburg e. V.
Sebastian Haase, Geschäftsführer

Telefon: 0331 27342 884
Mobil: 0157 78873185
E-Mail: ed.bb-eel@ofni

Hinweis für die Redaktion: Datenquelle zu den Ausbauzahlen ist das Factsheet „Status des Windenergieausbaus an Land im Herbst 2026″ der Fachagentur Wind und Solar e. V. (im Auftrag von BWE und VDMA Power Systems, Stand 22.10.2026). Die Genehmigungswerte für 2026 sind vorläufig. Die Bewertung von EEG-Novelle und Netzpaket stützt sich auf „Empfehlungen des BEE zu den Referentenentwürfen EEG & Netzanschlusspaket“ (BEE, Stand 21.07.2026).