Pressemitteilung des LEE BB – 21. September 2026
Erneuerbare Energien in Brandenburg: Drei von vier Unternehmen erwarten Schaden durch EEG-Novelle und Netzpaket. Branche befürchtet Fadenriss bei der Energiewende.
Potsdam, 21. September 2026: Brandenburger Unternehmen befürchten gravierende Einschnitte durch das aktuell im Bund diskutierte EEG 2027 und das Netzanschlusspaket. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage, die der Landesverband Erneuerbare Energien Berlin Brandenburg (LEE BB) heute in der Landespressekonferenz Brandenburg (LPK) vorgestellt hat. Die Folgen wären der Verlust von Arbeitsplätzen, steigende Kosten für Energie und fehlende Einnahmen für Kommunen.
Für den „Branchen-Index“ wurden Mitgliedsunternehmen des LEE BB sowie Betreiber von Anlagen der Erneuerbaren in Brandenburg nach ihrer aktuellen Geschäftslage gefragt. Von den 30 Unternehmen, die geantwortet haben, bewerteten 63 Prozent ihre Geschäftslage bereits heute als schlechter als vor zwölf Monaten. Als Gründe wurden von der überwiegenden Mehrheit Planungsunsicherheit und die aktuellen politischen Rahmenbedingungen genannt. Der LEE BB appellierte daher heute in der LPK an die Landesregierung Brandenburg, sich im Bundesrat mit Nachdruck für Nachbesserungen bei der geplanten EEG-Novelle und dem Netzpaket einzusetzen.
Jan Hinrich Glahr, Vorsitzender des LEE BB, erklärte dazu: „Wenn die Bremsbacken des BMWE greifen, gehört Brandenburg zu den Verlierern: industrie-, energie- und klimapolitisch. Sowohl die geplante EEG-Novelle als auch das Netzpaket müssen deswegen im parlamentarischen Verfahren korrigiert werden. Dazu gibt es im Bundesrat Einvernehmen – Brandenburg sollte sich für den Erhalt seiner Standortvorteile stark machen!“
Eines der Brandenburger Unternehmen, die von den Gesetzesnovellen direkt betroffen wären, ist Energiequelle. Michael Raschemann, Gründer und Geschäftsführer von Energiequelle, erklärt: „Der energiepolitische Kurswechsel innerhalb eines Jahres hat die Branche der Erneuerbaren Energien tief verunsichert. Wo die Vorgängerregierung beschleunigt hat, bremst die aktuelle Bundesregierung gefährlich ab. Dies hat dazu geführt, dass ich 40 Prozent meiner Belegschaft reduzieren musste, insbesondere in Süddeutschland.
Die Wirkungen der neuen Gesetze ab 2027 gemäß den aktuellen Entwürfen machen mir große Sorge, um die Nachhaltigkeit und Resilienz unserer Energieversorgung und ganz persönlich um mein Unternehmen.“
Vertrauensverlust in die Politik: Kommunen verlieren eingeplante Einnahmen
Gerade für Kommunen in Brandenburg haben sich die Erneuerbaren zu einer verlässlichen und substanziellen Einnahmequelle entwickelt. Beispiel Mühlenfließ: Die Gemeinde mit etwa 950 Einwohnern erhält derzeit jährlich 412.000 Euro durch die Windenergieanlagen in der Nachbarschaft. Der Betrag setzt sich aus der Brandenburger Sonderabgabe und den 0,2 Cent je Kilowattstunde zusammen, die Betreiber Standortgemeinden gemäß EEG zukommen lassen dürfen.  Bis 2029 sollen die Einnahmen aus Erneuerbaren Energien für Mühlenfließ auf rund 625.000 Euro jährlich anwachsen, bis 2031 auf 1,1 Millionen Euro jährlich. Dafür müssen die aktuell geplanten Windenergieanlagen und Solarparks aber auch umgesetzt werden. Auf die Einnahmen ist die Gemeinde dringend angewiesen – denn selbst mit diesen zusätzlichen Mitteln wird der Haushalt von Mühlenfließ erst 2043 wieder ausgeglichen sein.
„Die Energiewende ist für Kommunen längst auch Finanzpolitik“, erklärt Jens Hinze, Bürgermeister von Mühlenfließ. „In den Gemeinden sind Erneuerbare ein emotionales Thema. Wenn die Konflikte schließlich gelöst sind und es eine Akzeptanz gibt – und dann kommt nichts von dem, was besprochen und versprochen wurde, dann ist das sehr frustrierend. Das ist eine neue Dimension der Enttäuschung durch die Politik“, so Hinze weiter.
 Forderungen an die Landespolitik
Zur Pressekonferenz legte der LEE BB ein Positionspapier mit acht konkreten Nachbesserungsvorschlägen zum EEG 2027 und Netzanschlusspaket vor. Dazu zählen unter anderem der Erhalt der Einspeisevergütung für kleine Dach-PV-Anlagen, ein höheres Ausschreibungsvolumen für Biomasse, die Streichung des geplanten Pachtdeckels für Windenergie an Land, ein Verzicht auf den Redispatch-Vorbehalt in kapazitätslimitierten Netzgebieten sowie erleichterte Direktbelieferung von Industriekunden mit regional erzeugtem Strom.
 Energiestrategie 2040: Strombedarfsprognosen auf dem Prüfstand
Der LEE BB forderte darüber hinaus, dass Brandenburg unabhängig von den Bundesgesetzen handlungsfähig bleiben müsse. Dazu gehöre auch eine Überprüfung der in der Energiestrategie 2040 angenommenen Entwicklung des Strombedarfs. Die zugrunde liegenden Prognosen stammen aus dem Jahr 2021 – vor dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und vor dem KI-Boom mit seinem stark steigenden Stromverbrauch durch Rechenzentren. Der LEE BB sieht die Gefahr, dass Brandenburg auf Basis veralteter Annahmen plant und dadurch Netz- und Erzeugungskapazitäten unterdimensioniert.
 Branchenindex Erneuerbare: düstere Stimmung in der Unternehmerschaft
Auf der Pressekonferenz hat der LEE BB den aktuellen Geschäftsklimaindex der Erneuerbaren-Branche in Brandenburg vorgestellt. Der Verband fragt darin die erwartete wirtschaftliche Entwicklung bei den Mitgliedern des LEE und bei Betreibern von EE-Anlagen in Brandenburg ab. 75 Prozent befürchten negative Auswirkungen durch die EEG-Novelle und das Netzanschlusspaket. Ein Drittel der Antwortenden rechnet mit Stellenabbau, während nur rund 15 Prozent konkrete Neueinstellungen planen.
Als größtes Hindernis nennen 85 Prozent fehlende Planbarkeit und schwierige politische Rahmenbedingungen, gefolgt von steigenden Kosten (46 Prozent) und Genehmigungsbürokratie (38 Prozent). An der Umfrage nahmen 30 Unternehmen teil. Die detaillierten Ergebnisse des „Branchen-Index“ finden Sie unter folgendem Link.
Die erste Lesung zum Netzpaket und zur EEG-Novelle 2027 ist im Deutschen Bundestag in der Woche ab dem 21. September 2026 angesetzt.
Pressekontakt:
Landesverband Erneuerbare Energien
Berlin Brandenburg e. V.
Sebastian Haase, Geschäftsführer
Telefon: 0331 27342 884
Mobil: 0157 78873185
E-Mail: ed.bb-eel@ofni
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