„Dramatische Situation“ – Branche blickt sorgenvoll auf Berliner Politik

Sommerfest des LEE BB
„Dramatische Situation“ – Branche blickt sorgenvoll auf Berliner Politik
Sonne im Garten der Deutschen Kreditbank – ernste Töne bei den Gesprächen: Der Landesverband Erneuerbare Energien Berlin Brandenburg (LEE BB) hat am 25. August sein traditionelles Sommerfest gefeiert. Bei den Reden wurde deutlich, wie stark die Branche aktuell unter Druck steht.
Wie schon in den vergangenen Jahren fand das LEE-Sommerfest im Garten der Deutschen Kreditbank (DKB) statt. Die Stimmung war in diesem Jahr allerdings bedrückter. „Wir machen uns Sorgen“, erklärte Gastgeber Gerhard Falkenstein , Regionalleiter Nord bei der DKB, schon in seiner Begrüßung. Die DKB ist Finanzierungspartnerin zahlreicher Projekte der Erneuerbaren in Brandenburg und sieht den Druck, unter dem die Projekte stehen, ganz konkret. Es seien nicht nur die schwierigen politischen Rahmenbedingungen, sondern auch spürbar steigenden Zinsen, die die Finanzierung von Wind- und Solarprojekten zunehmend erschwerten.
Branche unter Druck
„Der dramatischste Punkt, seit ich mich für die Erneuerbaren engagiere“, brachte es Jan Hinrich Glahr auf den Punkt, Landesvorsitzender des LEE BB. Insbesondere das auf Bundesebene vorgelegte Netzanschlusspaket und die EEG-Novelle seien existenzbedrohend für viele Branchenmitglieder.
Der Kern der freien Marktwirtschaft seien Vertrauen und Investitionsschutz, so Glahr weiter. Und dieser Kern werde gerade von der Bundesregierung infrage gestellt. Betroffen seien alle Bereiche der Erneuerbaren: Wind- und Solarparks, kleine Solaranlagen sowie die Bioenergie, die eine wichtige Rolle für die Flexibilität der Energieversorgung habe. Leidtragende seien nicht zuletzt die Kommunen, denen hohe Einnahmen verloren gingen.



Klima schützen bedeutet Schutz der Wirtschaft
Dabei habe der zurückliegende Sommer mit seinen Hitzerekorden deutlich gemacht: Es gibt keine funktionierende Wirtschaft ohne Klimaschutz. Im Anschluss an Glahr richtete Leif Cropp, Geschäftsführer bei EMB Energie Brandenburg, den Blick auf die Wärmewende und die Herausforderungen, vor denen sie steht. Zugleich verwies er auf die erheblichen Potenziale, die es in Brandenburg gerade beim Ausbau von Nahwärmenetzen gibt.
Einen persönlichen Einblick gewährte Michael Raschemann, Gründer und Geschäftsführer der Energiequelle GmbH, als er davon berichtete, was es für ihn als Unternehmer bedeute, wenn er aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage Mitarbeitende betriebsbedingt entlassen müsse.
Ein wissenschaftliches Schlaglicht auf die Stimmung im Land warf Franziska Mey vom Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit (RIFS). Sie stellte aktuelle Ergebnisse aus dem Nachhaltigkeitsbarometer der Bertelsmann Stiftung vor: Die Sorge um den Klimawandel sei in der Gesellschaft unverändert hoch, gleichzeitig verliere die Bevölkerung aber zunehmend das Vertrauen in die Energiewende. Das sei ein kritisches Signal für die Akzeptanz der Politik.
Ministerin Klement: Erneuerbare zentral für Wirtschaftsstandort
Martina Klement, Ministerin für Wirtschaft, Energie, Klimaschutz und Europa des Landes Brandenburg, betonte in ihrem Grußwort zwar die zentrale Bedeutung der Erneuerbaren Energien für das Land Brandenburg. So würde Wertschöpfung nicht nur bei den Unternehmen der Erneuerbaren selbst entstehen, sondern auch in vielen Unternehmen und bei Dienstleistern im Umfeld. Viele Arbeitsplätze und hohe Investitionen seien von den Erneuerbaren abhängig, die Erneuerbaren daher eine Chance für die Zukunft und den Wirtschaftsstandort Brandenburg. Wichtig sei es aber den Netzanschluss und die Erzeugung besser miteinander zu verzahnen.

Gute Gespräche und ein breites Bündnis für Erneuerbare
So ernst die Themen in diesem Jahr auch waren – die gute Gesprächskultur beim Sommerfest blieb erhalten. Über 120 Gäste waren der Einladung in den DKB-Garten gefolgt, und die schiere Bandbreite der vertretenen Institutionen zeigte einmal mehr, wie gut die Energiewende in Brandenburg verankert ist.
Neben Vertreterinnen und Vertretern aus Land- und Bundestag über alle demokratischen Fraktionen hinweg sowie aus den zuständigen Landesministerien kamen zahlreiche Bürgermeisterinnen und Bürgermeister Oberbürgermeister sowie Vertreter der Landkreise zusammen.
Mit dabei waren außerdem weitere Verbände und Interessenvertreter, die auf den ersten Blick nicht zur klassischen EE-Branche zählen – etwa der Waldbesitzerverband, der Landesanglerverband Brandenburg sowie Umwelt- und Naturschutzorganisationen wie BUND Brandenburg und der NaturSchutzFonds.
Aus der Wissenschaft waren unter anderem die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg,  das GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung und das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung vertreten.
Diese Vielfalt an Perspektiven – aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft, Naturschutz, Landnutzung und Wirtschaft – machte deutlich, dass die Zukunft der Energiewende in Brandenburg längst kein reines Branchenthema mehr ist, sondern alle Beteiligten in offenen und konstruktiven Austausch bringt.
Der LEE BB dankt der DKB herzlich für die erneute Gastfreundschaft. Trotz der ernsten Lage blickt der Verband nach vorn: Mit einer starken und wachsenden Allianz aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft im Rücken bleibt der LEE BB zuversichtlich, Brandenburg in die Zukunft zu führen: mit einer sicheren, günstigen und klimafreundlichen Energieversorgung.







































